Auf die Walz gehen

Regelwerk: Darüber musst du dir im Klaren sein

Die Freiheit der Straße ist ein Privileg, das Verpflichtung voraussetzt. Wer als rechtschaffener fremder Geselle die Welt bereisen will, muss ein festes Fundament mitbringen. Du musst unter 30 Jahre alt, ledig, kinderlos und schuldenfrei sein sowie deinen Gesellenbrief in der Tasche haben. Sobald du deinen Heimatort verlassen hast, beginnt die Wanderschaft: Die nächsten drei Jahre und einen Tag darfst du dich deiner Heimat im Umkreis von 50 Kilometern nicht nähern. Zudem ist die Kluft ab dem Moment des Losgehens dein ständiger Begleiter – sie ist dein Stolz und dein Erkennungszeichen, das du jederzeit würdig zu tragen hast.

Warum organisiert reisen?

Wer sich den rechtschaffenen fremden Gesellen anschließt, genießt gegenüber „wild“ Reisenden unschätzbare Vorteile. Mit dem Einbinden wirst du sofort zum gleichberechtigten Mitglied einer weltweiten Bruderschaft.

Erfüllung im Handwerk: Durch unsere Riten und die feste Kameradschaft gewinnst du einen tieferen Bezug zu deinem Beruf, der weit über das reine Geldverdienen hinausgeht.

Du kannst, aber musst nicht allein sein: Vom ersten Tag an hast du tausende Kameraden an deiner Seite, die dir Rückhalt bieten, auch wenn ihr euch nie zuvor gesehen habt.

Sicherheit in der Freiheit: Du ziehst frank und frei in die Welt, weißt aber jederzeit genau, an wen du dich bei Bedarf wenden kannst.

Gesellschaft Frankfurt

Warum gerade bei den rechtschaffenen fremden Gesellen reisen?

Die rechtschaffenen fremden Gesellen sind die älteste und mitgliederstärkste Gesellenorganisation Deutschlands. Das bedeutet für dich: das dichteste Netz an Herbergen und der größte Rückhalt auf deiner Reise. Wir pflegen die ältesten überlieferten Riten, die speziell auf unser Handwerk als Maurer und Steinhauer zugeschnitten sind. Wer zünftig die Welt bereisen will, sollte auf dieses gewachsene Fundament nicht verzichten.

Hier findest du Gesellen aus gleichen oder artverwandten Berufen – so kannst du dich zum Beispiel mit jemandem für die Walz zusammentun und ihr könnt gleichzeitig auf den Baustellen arbeiten. Außerdem genießen wir einen großen Rückhalt in der Gesellschaft und die Unterstützung von Gewerkschaften.

Was genau muss ich machen, um auf die Walz zu gehen?

Der wichtigste Grundstein für deine Reise bist du selbst: Du musst es aus freiem Stücken wollen. Die Wanderschaft ist eine tiefgreifende Erfahrung, die Entschlossenheit erfordert – lass dich niemals von anderen dazu überreden oder gar zwingen. Wenn dein Entschluss feststeht, suchst du als Erstes den Kontakt zur nächstgelegenen Gesellschaft. Dort triffst du auf Kameraden, die dir den Weg weisen. Solltest du unsicher sein, wo die nächste Gruppe ansässig ist, kannst du dich jederzeit gerne direkt an unseren Vorstand wenden, der dich an die richtigen Ansprechpartner vermittelt.


Wie ist das, wenn es losgeht?

Wenn der Tag des Losgehens näher rückt, beginnt eine intensive Zeit der Vorbereitung. Bereits sechs Wochen vor deinem Aufbruch erhältst du deine Ehrbarkeit. Ab diesem Moment trägst du mit Stolz deine Kluft und wirst tiefer in unsere Zunftgeheimnisse und Riten eingeführt.

Der letzte Abend: Am Vorabend deines Aufbruchs organisieren wir einen zünftigen Gesellenabend, bei dem du ein Fass schmeißt, um dich gebührend von deinen Kameraden zu verabschieden.

Der Sonntag des Abschieds: Am Tag nach dem Fest begleiten dich Familie, Freunde und Kameraden in einem feierlichen Zug bis zum Ortsschild deiner Heimatstadt.

Über den Bannkreis: Am Ortsschild angekommen, lässt du dein altes Leben hinter dir. Von hier an ziehst du mit deinen erfahrenen Lehrsekundanten los, die dir in der ersten Zeit zur Seite stehen und dich in das Leben auf der Straße einführen.

Während der Wanderschaft


Auf der Walz bist du generell frei auf Tippelei. Das wichtigste Prinzip dabei ist: Du gestaltest deine Reise genau so, wie du es dir vorstellst. Es gibt kein festes Drehbuch – du allein entscheidest über deinen Weg. Dennoch geben wir dir bewährte Empfehlungen mit auf den Weg, damit du das Maximum aus deiner Zeit herausholst:

  • Das Fundament: Wir empfehlen, das erste Jahr in Deutschland zu verbringen, um Sicherheit in der Lebensweise zu gewinnen.
  • Die Abwechslung: Idealerweise trittst du während der drei Jahre und einen Tag mindestens sechs verschiedene Arbeitsstellen an. Bleib dabei möglichst nirgendwo länger als sechs Monate, um immer wieder Neues zu sehen.
  • Der Blick über den Tellerrand: Es ist ratsam, mindestens zwei dieser Arbeitsstellen im Ausland zu suchen, um fremde Arbeitstechniken und Kulturen kennenzulernen.

Gut zu wissen: Du brauchst keine Ersparnisse, um loszuziehen. Dein Geld verdienst du dir unterwegs. Du sprichst ganz traditionell bei Betrieben vor und arbeitest dort regulär mit Lohnsteuerkarte und allen dazugehörigen Rechten.

Am Ende gilt immer: Jeder macht seine eigene Tippelei und trifft seine eigenen Entscheidungen.

Versicherung: GEK + AOK

Ein rechtschaffener fremder Geselle nimmt seinen Versicherungsschutz ernst. Für unsere Maurer und Steinhauer ist traditionell die AOK Hamburg zuständig, während Zimmerer und Schieferdecker meist bei der GEK (heute Barmer, ehemals Hamburgische Zimmererkrankenkasse) versichert sind.

Vorsorge: Richte dir ein gedecktes Konto ein, von dem die Beiträge bequem abgebucht werden können. So bleibt dein Kopf frei für die Reise und das Handwerk.

Lückenloser Schutz: Während der Arbeit bist du pflichtversichert. In der Zeit dazwischen – direkt auf der Walz – genießt du einen günstigen Tarif für den freiwilligen Schutz.

Wichtig: Melde Arbeitsbeginn und -ende umgehend der Kasse.